Die Landschaft unseres Lebens, oder: über was wir uns aufregen (Radiosendung)

Wenn wir wirklich große Lebensprobleme haben, dann schrumpfen normale Alltagsprobleme sofort zur Zwergengröße zusammen, auch wir sie vorher noch für gigantisch gehalten haben. Unsere Wahrnehmung ändert sich. Wie wir das nutzen können, um mit belastenden Situationen besser umzugehen, darum geht es in diesem Mini-Podcast.


Landschaft des Lebens
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„Das Leben ist zu kurz, um sich über Nebensächlichkeiten zu ärgern.“ Das haben wir alles schon gehört und doch tun wir es immerzu: wir regen uns auf über die Klamotten, die unsere Kinder in der Wohnung verteilen, darüber dass uns Kollege XY nicht grüßt, der Chef dies oder jenes gesagt hat und dass sich unsere Freundin nicht sofort gemeldet hat auf unsere letzte Nachricht.

Mitunter kann man sich in solche Probleme regelrecht hineinsteigern, obwohl sie doch eigentlich gar nicht so viel Aufregung wert sind, objektiv betrachtet. Warum tun wir es also? Wissenschaftler haben dazu interessante Fakten zusammengetragen.

Unser Verstand ist eine regelrechte Problemlösemaschine. Sie braucht permanent etwas zu tun, sie braucht Arbeit. Wenn es keine größeren Probleme gibt, dann machen wir uns welche und arbeiten uns an denen ab.

Angesichts existenzieller Probleme, wie etwa einer schweren Krankheit, dem Tod eines lieben Menschen, dem Verlust unserer Lebensgrundlage oder unserer finanziellen Existenz verlieren die Dinge Ihre Bedeutung, über die wir uns in sicheren Zeiten wahnsinnig aufregen können. Man könnte auch sagen, wenn wir wirklich große Lebensprobleme haben, dann schrumpfen normale Alltagsprobleme sofort zur Zwergengröße zusammen, auch wir sie vorher noch für gigantisch gehalten haben. Unsere Wahrnehmung ändert sich.

Stellen wir uns einmal unser Leben wie eine Landschaft vor, dann könnte man sagen, dass wir existenzielle Lebensprobleme wie einen riesigen Berg oder ein ganzes Gebirge wahrnehmen, Alltagskleinklein und Mimimi sieht dagegen aus wie ein kleiner Stolperstein oder ein Mini-Hügel. Wir nehmen Sie nicht so wichtig.

Fehlen allerdings existenzielle Probleme, weil es keine Kriege, Hungersnöte, Naturkatastrophen gibt, was eigentlich ganz wunderbar ist, dann plustert unsere Wahrnehmung die kleinen Hügel und Stolpersteine des Lebens auf zu riesigen Bergen, macht sich also eine Art Bedrohung zurecht, an dem sich unsere Problemlösemaschine Verstand abarbeiten kann. Wir brauchen sozusagen immer irgendein Problem. Haben wir keins, machen wir eins.

 Sorgen und Zweifel, Ängste und allerlei Aufreger halten so unseren Geist beschäftigt. Wir verlieren die Relation.

Da wir alle in der komfortablen Lage sind, dass wir im Frieden leben, in recht großer Sicherheit und auch in finanziell relativ sicheren Umständen, also unser Leben weitestgehend frei ist von wirklichen Lebensbedrohungen, neigen wir in den Wohlstandsregionen dieser Welt dazu, uns zu viele Gedanken und Sorgen zu machen, Kleinigkeiten überzubewerten und zu katastrophieren.

Das können Sie an einem einfachen Beispiel in dieser Übung nachvollziehen.

  • Denken Sie einmal an das Problem, dass Sie im Moment am meisten beschäftigt, über das Sie sich ärgern oder Sorgen machen.
  • Bewerten Sie Ihr Problem auf einer Skala von 0 bis 10. Wie schlimm fühlt es sich im Moment an, wenn 0 nichts ist und 10 so schlimm, dass Sie es nicht aushalten können? Okay?
  • Und stellen Sie sich jetzt einmal vor, dass Sie 100 Jahre alt werden und Sie schauen zurück auf Ihr Leben. Sie denken an all die großen Einschnitte und Ereignisse, die hinter Ihnen liegen, an all das was Sie erlebt und auch das, was Sie überstanden haben. Vielleicht haben Sie geheiratet, Kinder bekommen, Ziele erreicht und Schicksalsschläge überstanden. All diese Ereignisse bilden in Ihrer Lebenslandschaft große Berge und Täler. Denken Sie an die drei wichtigsten Ereignisse. Bewerten Sie diese mit einer 10.
  • Und jetzt beurteilen Sie nun aus dieser Perspektive des Rückblicks noch einmal das Problem dass Sie genau heute haben. Wie groß ist es nun auf Ihrer Skala, hat sich in Ihrer Wahrnehmung etwas verändert? Wie bedeutsam wird das Problem von heute sein, wenn Sie einmal hundert Jahre alt sind. Und was wird der alte Mensch, der Sie einmal sein werden Ihnen heute raten?

Diese kleine Visualisierungsübung kann uns helfen, unsere Wahrnehmung zu normalisieren und zu relativieren und den Dingen die Bedeutung zu geben, die Sie wirklich haben. Also vergessen Sie nicht: Glauben Sie nicht alles, was Sie denken und die Dinge haben immer die Bedeutung, die wir Ihnen geben.

Hier können Sie den Artikel als Podcast hören.

Herzlichst, Ihre Claudia Bechert- Möckel


 

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